Erhaltung der Zahlungsfähigkeit von Bauunternehmungen

 

Die Zahlungsfähigkeit von Bauunternehmungen wird mittelfristig bestimmt durch die Wirtschaftlichkeit der Baufertigung; denn die wirtschaftlichen Ergebnisse aller Bauobjekte machen letztlich das Gesamtergebnis der Fertigung und, über dieses Gesamtergebnis, die Zahlungsfähigkeit der Bauunternehmung aus.

Werden die Bauobjekte bei ihrer Erstellung konstruktiv und in ihrem vorgesehenen Bauablauf geändert, was der Regelfall ist, dann bewirken diese Änderungen Mehrkosten, die von der Bauunternehmung zu ermitteln und vom Auftraggeber zu vergüten sind, wenn das Bauobjekt mit einem positiven Ergebnis abschließen soll.

Während der Einfluß konstruktiver Leistungsänderungen auf die Zahlungsfähigkeit durch die Höhe der Leistungsänderungen unmittelbar erkennbar ist, ist der Einfluß von Bauablaufstörungen auf die Zahlungsfähigkeit von Bauunternehmengen ohne nähere Untersuchung nicht feststellbar.

Initiiert durch praktische Erfahrungen und die Tatsache, das es bisher keine Methode gab, den Zusammenhang zwischen Bauablaufstörungen und der Zahlungsfähigkeit zu quantifizieren, wurde von F. W. Toffel für unser Büro Bauwirtschaftliche Beratung eine Methode entwickelt, den Einfluß von Bauablaufstörungen auf die Zahlungsfähigkeit der Bauunternehmungen zu ermitteln.

Siehe: Friedrich Wilhelm Toffel
'Bauablaufstörungen und daraus folgende Probleme der Zahlungsfähigkeit bei öffentlichen Bauprojekten'
Trauner Druck, Linz ISBN 3 85487 2259

 

Friedrich Wilhelm Toffel

Bauablaufstörungen
und daraus folgende Probleme der Zahlungsfähigkeit
bei öffentlichen Bauprojekten

Geleitwort

In den letzten zehn Jahren haben die Insolvenzen von Bauunternehmen, z.B. im deutschen und im österreichischen Baumarkt, besonders stark zugenommen. Als eine der Hauptursachen für diese Tendenz müssen bauseitige Störungen im Bauablauf und die daraus folgenden Liquiditätsprobleme angesehen werden. Andererseits führen diese bauseitigen Störungen zu erheblichen Steigerungen der Investitionsausgaben bei öffentlichen wie privaten Auftraggebern. Oftmals müssen Streitigkeiten über die Ursachen dieser Störungen vor Gericht ausgetragen werden und führen für beide Seiten zu erheblichen Ausgabenbelastungen.

Der bedeutende Einfluß von Störungen im Bauablauf auf die Wirtschaftlichkeit und Liquidität eines Bauunternehmens wird in der Praxis zwar erkannt, dennoch fehlen Planungsinstrumente, die diesen Einfluß rechtzeitig und hinreichend genau quantifizieren lassen, weitgehend. Auch in der allgemeinen bzw. baubetriebswirtschaftlichen Literatur ist für diese Fragestellung ein erhebliches Defizit im Hinblick auf geeignete Planungsinstrumentarien feststellbar.

In der vorliegenden Arbeit, die als Dissertation an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz approbiert wurde, wird der Zusammenhang zwischen gestörtem Bauablauf und der Zahlungsfähigkeit von Bauunternehmen aufgezeigt und in einem innovativen Modell systematisch dargelegt, um daraus Präventivmassnahmen zur Vermeidung von Unwirtschaftlichkeiten ableiten zu können bzw. die Auswirkung der Bauablaufstörungen rechtzeitig bewußt werden zu lassen und den unternehmerischen Entscheidungen zu Grunde zu legen. Das in den Mittelpunkt der Arbeit gestellte Bauablauf-Zahlungsfähigkeits-Modell soll eine rechtzeitige, vorausplanende Ermittlung der Zahlungsfähigkeit in Bauunternehmen ermöglichen. Die Anwendbarkeit dieses Modells wird an einem konkreten öffentlichen Bauprojekt überzeugend demonstriert.

Als Ursachen für bauseitige Störungen des Bauablaufes können die Verletzung von Haupt- und Nebenpflichten sowie Wahrnehmung des Anordnungsrechts durch den Auftraggeber angesehen werden. Daher ist es naheliegend, nach Maßnahmen zur Vermeidung dieser bauseitigen Störungen zu suchen. Der Verfasser legt auf der Grundlage einer Ursache-Wirkungs-Kette eine Systematik relevanter Vermeidungsmaßnahmen vor. Durch sie können Störungen im Bauablauf abgeschwächt oder vermieden werden. Ein Restrisiko von Störungen bleibt jedoch immer bestehen. Die Beeinträchtigung der Zahlungsfähigkeit hat wirtschaftliche Forderungen an die Auftraggeber zur Konsequenz und führt überdies zu sozialen Änderungen im Beziehungsgefüge der am Bau beteiligten Institutionen. Somit wird auch eine soziologische Dimension des aufgezeigten Problems bedeutsam.

Die Arbeit schließt eine bestehende Lücke in der baubetrieblichen Forschung, indem Erkenntnisse der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre mit dem Wissenstand der Ingenieurwissenschaften verbunden werden. Zur Schließung dieser Lücke ist der Verfasser mit seiner Bauingenieur-Grundausbildung und Bauingenieur-Erfahrung mit großem Engagement und breitem Detailwissen herangegangen.

Durch die Veröffentlichung der Dissertation in Buchform soll und kann eine Vermittlung der erarbeiteten Problemlösungskompetenz an eine interessierte Öffentlichkeit erfolgen, damit der eingangs erwähnten Tendenz von Unternehmensinsolvenzen in der Baubranche durch eine Verbesserung des Planungsinstrumentariums Einhalt geboten wird. Dem Buch ist eine gute Verbreitung sowohl in der Baupraxis wie in der Baubetriebswirtschaftslehre zu wünschen.

Linz, im Jänner 2001
o. Univ. Prof. Dkfm. Dr. Reinbert Schauer
Vorstand des Instituts für Betriebswirtschaftslehre
der gemeinwirtschaftlichen Unternehmen
Johannes Kepler Universität Linz